Samstag, 17. September 2011

16. September, Kyoto, 412

16. September, Kyōto (jap. 京都市, -shi, im Deutschen meist Kyoto, seltener auch Kioto geschrieben)
 
Vor dem Losfahren müssen wir erneut die Unterkünfte klären. Kyoto sagen wir als Übernachtung ab, es wäre ein Dreibettzimmer gewesen und wir sind zu unterschiedliche Temperaturmenschen. Alex in der Kälte, Wolfgang in der Mitte, Gunda in der Wärme. Kyoto ist voll, also bleiben wir hier, wir haben noch den Rail-Pass. Die weitere Suche gestaltet sich, manchmal auch sprachlich, mühsam. Aber unsere Jugendherbergs-Dame ist ein wahrer Schatz und macht die Telefonate auf japanisch für uns. Nach drei Stunden sind wir nicht mehr obdachlos.
Die alte Kaiserstadt. Oder eine weitere. Denn genaugenommen sind wir ja auch in einer und Wolfgang und Gunda waren schon in Kashihara (jap. 橿原市, -shi, wörtlich: Eichenebene).
Das Wetter ist immer trocken, wenn auch die Wolken bereits Regen ankündigen. Aber schon beim Anschauen des Bahnhofs, besser des Vorgebäudes, fängt der Regen an. Es ist ein irres Gebäude.  

Wir wandern durch die Stadt, machen den empfohlenen Stadtspaziergang durch das südliche Higashiyama-ku (jap. 東山区, dt. „östlicher Bergbezirk“). Mit uns tun das einige, es ist aber längst nicht so voll wie die ausgebuchten Herbergen vermuten ließen. Die Beschreibung von Kyoto ist sehr passend. Die Umgebung um den Bahnhof lässt in der Tat nicht das Gefühl aufkommen, dass es sich um eine besondere Stadt handelt. Der Blick zum Tempel, der am Berg liegt, verändert die Wahrnehmung. Wir arbeiten uns die Stufen hinauf und verstummen angesichts der schieren Größe und auch des Prunks von diesem Tempel. Unser erster besichtigter ist der Otowasan Kiyomizudera (音羽山清水寺). Wir bleiben dort eine ganze Weile, schauen den Tempel an und den Leuten zu.   






Die Terrasse ruht auf hunderten von Säulen.   

Wir folgen mehr oder wenig erfolgreich dem vorgeschlagenen Weg und schaffen es tatsächlich, ihn zu verlassen. So oder so ist der Weg schön und geht an vielen alten Häusern vorbei. Mit dem Schließen der Tempel und Museen schließt auch das touristische Leben selbst seine Pforten und so bestehen die Straßen bald nur noch aus Holz und Licht.   



Inzwischen regnet es leicht. Bald regnet es stärker und wir entscheiden, einen Bus zum Bahnhof zu nehmen und nicht weiterzulaufen (es ist eh dunkel). Wir warten auf dem Bus, im Regen, in einer Schlange. Hier steht man Schlange. Also kann sich keiner unters Dach stellen, das einen halben Meter weiter hinten ist. Der erste Bus kommt, es steigen fünf ein, dann sei er voll. Für japanische Verhältnisse. Der nächste kommt, wir sind an vierter Stelle, nass, aber mit einer guten Chance. Es geht keiner im Bus durch und so wäre der Bus wieder „voll“ gewesen, wenn nicht Wolfgang die Leute im Gang weiter nach vorne geschoben hätte. Gunda schön hinterher, empörte Blicke, dann folgen die ersten, dann alle und siehe da: bis auf zwei ist die Haltestelle leer. Geht doch!
Im Bahnhofsgebäude gibt es einen Supermarkt und einen Bereich vorher mit Essen. Es wird kräftig heruntergesetzt und so denken wir: steht 100 Yen, also wird es das wohl kosten und uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Wir nehmen drei gut aussehende, leicht überschaubare, Reis-Bento-Boxen für „100“. Der Taschenrechner sagt: 1400 noch was. Danke, wir verzichten. Also doch in den Supermarkt. Dort ist es nicht viel besser. Aber es gibt super Brot. Also essen wir  -den wohl teuersten Fisch, das beste Brot und Alex hat ein Omelette erstanden - im Zug, während draußen der erste Starkregen hernieder geht.